Live in die Antarktis, im Austausch mit Jugendlichen in Tansania und mit einem ungewöhnlichen Perspektivwechsel zwischen Wissenschaft und Theologie:
Am Söderblom-Gymnasium Espelkamp gestalteten Schülerinnen und Schüler am 24. September ihre erste SchülerInnenZukunftsKonferenz zum Klimawandel.
Wie vermittelt Schule Klimawandel, ohne bei abstrakten Zahlen und bekannten Appellen stehenzubleiben? In Espelkamp wurden die Jugendlichen selbst zu Akteurinnen und Akteuren: Sie moderierten, erklärten naturwissenschaftliche Zusammenhänge, entwickelten Zukunftsbilder und übernahmen Kamera, Ton und Fotografie. Charlotte Feesmeier und Emanuela Buchovska aus der Q1 führten als Schüler-Moderatorinnen durch das Programm. „Diese Konferenz ist nicht nur zum Zuhören – sie dient als Denkanstoß und damit einem Perspektivwechsel in einem Thema, das uns alle betrifft“, formulierte Emanuela Buchovska zur Eröffnung.
Klimaforschung aus der Antarktis – live im Klassenzimmer
Einer der Höhepunkte führte rund 13.750 Kilometer weit weg: Per Satellit schaltete die Schule live zur deutschen Forschungsstation Neumayer III in der Antarktis. Stationsleiter Ingo Gerstmann, Chirurg und Leiter der 46. Überwinterungsexpedition, berichtete vom Leben und Forschen unter extremen Bedingungen.
Dr. Klaus Grosfeld vom Alfred-Wegener-Institut und Geschäftsführer des Helmholtz-Forschungsverbunds REKLIM ordnete den aktuellen Stand der Klimaforschung ein. Zuvor hatten die Q1-Schüler Antonia Hennemann und Paul Bollmeyer selbst die fachlichen Grundlagen gelegt und den Treibhauseffekt erläutert.
Eine weitere Live-Verbindung führte zur Bweranyange Secondary School in Nyabiyonza in Tansania. Jugendliche der Partnerschule des Evangelischen Kirchenkreises Lübbecke berichteten auf Englisch, wie Hitze und veränderte Regenzeiten ihren Alltag prägen.
So führte die Konferenz von globaler Klimaforschung unmittelbar zu unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten junger Menschen.
Was bedeutet der Klimawandel für die eigene Region?
Den Blick auf Ostwestfalen-Lippe richteten Diplom-Meteorologe Friedrich Föst und Prof. Dr.-Ing. Jörg Felmeden von der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Im Mittelpunkt standen Starkregen, Hitze und Trockenheit sowie die Frage, wie sich die Region an die Folgen des Klimawandels anpassen kann.
Auch die kommunalpolitische Perspektive gehörte dazu: Bürgermeister Dr. Henning Vieker, selbst ehemaliger Schüler des Söderblom-Gymnasiums, sprach mit den Moderatorinnen über Klimafolgen vor Ort und die Handlungsmöglichkeiten einer Kommune.
Premiere: Nachhaltigkeit zwischen Wissenschaft und Spiritualität
Einen besonderen Perspektivwechsel eröffnete die von Schülerinnen und Schülern geführte Talkrunde „Nachhaltigkeit – ewiges (Über-)Leben?“.
Dabei wurde Nachhaltigkeit erstmals in diesem Konferenzformat bewusst nicht allein wissenschaftlich betrachtet. Prof. Dr.-Ing. Jörg Felmeden und Diplom-Meteorologe Friedrich Föst brachten ihre wissenschaftlichen Perspektiven ein, Pastor Eberhard Helling vom Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Lübbecke ergänzte die Diskussion um eine theologische und spirituelle Sicht. Damit öffnete sich eine für schulische Bildungsarbeit spannende Frage: Geht es bei Nachhaltigkeit ausschließlich um Daten, Technologien und konkrete Anpassungsmaßnahmen – oder auch um Werte, Verantwortung und die Frage, wie wir leben wollen?
Für das von GetPeople entwickelte Veranstaltungsformat war diese Verbindung eine Premiere. Nach mehr als 100 realisierten Schülerkongressen und -gipfeln wurde erstmals eine wissenschaftliche Betrachtung von Nachhaltigkeit systematisch um eine theologisch-spirituelle Perspektive erweitert. Eine Fortsetzung dieses Ansatzes ist geplant.
Nicht nur über Zukunft reden
Die Schülerinnen und Schüler präsentierten anschließend eigene Zukunftsbilder unter dem Titel „Espelkamp 2050“. Den Abschluss bildete ein Impuls des Soziologen und Transformationsforschers Prof. Dr. Stefan Selke zur „Zukunftseuphorie“ – als bewusster Gegenpunkt zu einer ausschließlich von Krisenszenarien bestimmten Klimakommunikation.
„Zukunft passiert nicht irgendwann. Sie beginnt genau jetzt. Und wir sind mittendrin!“, fassten die beiden Moderatorinnen den Tag zusammen.
Gerade für Schulen liegt darin eine Stärke des Formats: Jugendliche sind nicht nur Empfänger von Wissen. Sie recherchieren, erklären, moderieren und diskutieren, begegnen Wissenschaftlern und anderen Jugendlichen und entwickeln eigene Vorstellungen von Zukunft. Klimabildung verbindet sich so mit Medienkompetenz, Kommunikation, Teamarbeit und der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Weltbildern und Wertvorstellungen.
An der Schule koordinierten die Lehrkräfte Uwe Diestelhorst und Frau Lüers das Projekt. Konzipiert und umgesetzt wurde die Konferenz von GetPeople Nachhaltige Kommunikation. Hauptförderer war die Stiftung Westfalen-Initiative für Eigenverantwortung und Gemeinwohl, Co-Förderer der Evangelische Kirchenkreis Lübbecke. Am Abend wurde die Schule mit einem Zukunftsabend auch für die Öffentlichkeit zum Diskussionsort.
Highlights der Konferenz im Video
Wie das Format in der Praxis funktioniert und wie die Schülerinnen und Schüler ihre Rolle auf der Bühne ausfüllen, zeigt ein Kurzvideo mit Highlights der SchülerInnenZukunftsKonferenz auf YouTube. Es gibt Einblicke in die Live-Schaltungen, Gespräche und Beiträge der Jugendlichen.
LINK zum YouTube Beitrag: https://www.youtube.com/watch?v=0DDu1wTcIjM
Der Konferenztag in Espelkamp zeigte damit vor allem eines: Klimabildung muss nicht bei der Vermittlung von Fakten enden. Sie kann jungen Menschen Räume eröffnen, wissenschaftliche Erkenntnisse mit gesellschaftlichen und ethischen Fragen zu verbinden – und selbst darüber zu diskutieren, welche Zukunft sie gestalten wollen.







